Eine internationale Tour erfordert mehr als nur die Anwesenheit auf dem Turniergelände. Für die meisten Reiter beginnen die eigentlichen Herausforderungen deutlich früher, zu Hause und in den Tagen vor der Abreise. Kleine Versäumnisse in der Vorbereitung können sich unterwegs schnell zu anhaltendem Stress entwickeln und sich bereits ab dem ersten Tag der Tour auf tägliche Routinen, Regeneration und Konzentration auswirken.
Unabhängig davon, ob das Ziel einer Tour Leistung, Weiterentwicklung oder Erfahrung ist, bleibt ein Faktor konstant: Wie gut die Vorbereitung vor der Abreise ist, bestimmt maßgeblich den Verlauf der Tour. Eine effektive Vorbereitung beginnt lange vor der Ankunft am Veranstaltungsort und setzt sich während der gesamten Reise fort. Zu wissen, worauf in jeder Phase zu achten ist, hilft Reitern, organisiert zu bleiben. Von den letzten Tagen zu Hause bis zu den ersten Stunden vor Ort unterstützt diese Vorbereitung die Routine des Pferdes und sorgt dafür, dass die Tour mit Klarheit statt mit Stress beginnt.
In den folgenden Abschnitten betrachten wir, was zu Hause vorbereitet werden sollte, worauf unterwegs zu achten ist und wie die Reise gestaltet werden kann, um unnötigen Stress zu vermeiden.
VOR DER ABREISE ZU HAUSE
Routine vor der Abreise beibehalten
Der wichtigste Teil der Tourvorbereitung findet zu Hause statt, wo Zeit und Ruhe vorhanden sind, um vorausschauend zu planen. Pferde profitieren davon, aus einer vertrauten Routine heraus zu starten, was bedeutet, dass tägliche Abläufe in der Zeit vor der Abreise möglichst wenig verändert werden sollten. Die Ausrüstung sollte im Voraus auf Passform und Zustand überprüft werden, und Gegenstände, die zu Hause täglich genutzt werden, werden am besten mitgenommen, anstatt sie in letzter Minute zu ersetzen.
Verbrauchsprodukte und tägliche Pflege überprüfen
Ebenso wichtig ist es, Verbrauchsprodukte zu kontrollieren. Ergänzungsfuttermittel, Pflegeprodukte und grundlegende Artikel für die tägliche Versorgung, die zu Hause problemlos verfügbar sind, gehen auf Tour häufig schneller zur Neige als erwartet. In der Woche vor der Abreise entscheiden sich viele Reiter dafür, die Supplementierung leicht anzupassen, um das Immunsystem des Pferdes zu unterstützen, häufig durch die Zugabe eines kurzfristigen Vitaminboosts. Dies ist besonders bei längeren Transporten und dem Aufenthalt in neuen Umgebungen üblich. Gleichzeitig wird auch zusätzliche Unterstützung für Magen und Darm häufig in Betracht gezogen. Reisen, Veränderungen der Routine und ungewohnte Umgebungen können die Verdauung zusätzlich belasten, wodurch Magen oder Verdauungssupplemente ein fester Bestandteil der Tourvorbereitung sind.
Strukturiertes Verladen und Checklisten
Das Verladen des LKWs dauert oft länger als im Voraus erwartet. Daher ist eine strukturierte Vorgehensweise unerlässlich. Das frühzeitige Erstellen einer klaren Checkliste reduziert das Risiko, wichtige Gegenstände zu vergessen, und verhindert Unsicherheiten in letzter Minute während des Verladens.
Die Verwendung eines gut organisierten Sattelschranks hilft dabei, die Ausrüstung geschützt und übersichtlich zu halten und macht das Be und Entladen während der Reise effizienter. Das Mitnehmen grundlegender Reinigungsutensilien wie Besen, Mistgabeln und Schaufeln trägt zudem dazu bei, Ordnung im LKW und in temporären Stallungen zu bewahren.
Administrative und gesundheitliche Kontrollen
Neben der Ausrüstung erfordern auch administrative und gesundheitsbezogene Aspekte besondere Aufmerksamkeit. Überprüfe den FEI Pass jedes Pferdes und stelle sicher, dass alle Impfungen korrekt und auf dem neuesten Stand sind. Bei internationalen Touren ist es zudem erforderlich, die notwendigen Gesundheitszertifikate gemäß den geltenden Vorschriften zu organisieren.
Die tägliche Gesundheitsüberwachung ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Vorbereitung. Das Messen der Körpertemperatur des Pferdes und die korrekte Erfassung in der FEI App helfen dabei, potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen.
UNTERWEGS
Der Weg zu einer Springtour ist mehr als nur die Strecke zwischen Zuhause und dem Turniergelände. Reisetage beeinflussen den körperlichen Zustand des Pferdes und bestimmen, wie die Tour beginnt.
Planung der Reise
Eine reibungslose Reise beginnt mit sorgfältiger Planung. Die frühzeitige Vorbereitung der Route hilft, unnötigen Stress für Pferd und Reiter zu reduzieren. Die Auswahl geeigneter Stopover Orte, an denen Pferde ausreichend ruhen können, die Wahl effizienter Routen sowie das Reisen zu Zeiten mit geringerem Verkehrsaufkommen tragen zu einer ruhigeren und besser vorhersehbaren Reise bei. Das Vermeiden von Stoßzeiten, wenn möglich, hilft dabei, Verzögerungen zu begrenzen und die Zeit im LKW zu verkürzen.
Reisetage verlaufen selten exakt nach Plan. Verzögerungen, Verkehr und kurzfristige Änderungen gehören dazu und erfordern Flexibilität. Gut vorbereitet zu sein bedeutet auch, zu berücksichtigen, wie einzelne Pferde auf den Transport reagieren. Manche Pferde sind reisensensibler und profitieren von zusätzlicher Unterstützung, wenn transportbedingter Stress zu erwarten ist. Der Einsatz von speziell für gestresste Reisepferde entwickelten Supplementen ist daher ein gängiger Bestandteil der Vorbereitung.
Transportkomfort und Grundbedürfnisse
Die Auswirkungen des Transports auf Pferde werden häufig unterschätzt. Lange Stunden im LKW erfordern zusätzliche Aufmerksamkeit für Komfort, Hydration und Routine. Der Zugang zu Wasser, vertraute Fütterungszeiten und grundlegende Pflege helfen den Pferden, in besserem Zustand anzukommen. Jedes Pferd mit einem hochwertigen Heunetz sowie Eimern zum Trinken und Fressen auszustatten, unterstützt den Komfort während des Transports und der Pausen.
Abhängig von Wetterbedingungen und individuellen Bedürfnissen können leichte Transportdecken zusätzlichen Komfort bieten, während geeigneter Beinschutz hilft, das Risiko kleinerer Verletzungen während der Fahrt zu reduzieren.
Auch eine ausreichende Belüftung ist entscheidend. Das bedeutet, sicherzustellen, dass die Fenster des LKWs korrekt eingestellt sind, damit frische Luft zirkulieren kann. Und während der Fokus auf den Pferden liegt, sollte man nicht vergessen, auch Snacks für sich selbst mitzunehmen 😉
Organisation und Zugänglichkeit
Viele Reiter empfinden es als praktisch, häufig benötigte Gegenstände während des Transports griffbereit zu halten, sodass nicht bei jedem Halt alles ausgeladen werden muss. Einen gut zugänglichen Bereich für essentielle Ausrüstung, einschließlich eines Erste Hilfe Sets für Pferde und Reiter, vorzusehen, erhöht die Effizienz unterwegs.
WÄHREND DER STOPOVERS
Bei Langstreckentransporten sind Stopovers ein bewusster Bestandteil der Reisestrategie und keine einfachen Pausen. Sie helfen, die körperlichen Belastungen langer Transportzeiten zu bewältigen und unterstützen einen reibungsloseren Übergang zur nächsten Etappe der Reise. Die Organisation der Stopovers beeinflusst sowohl die Erholung während der Fahrt als auch den Komfort der Pferde bei der Ankunft am Tourort.
Erholung für die Pferde ermöglichen
Bei längeren Reisen wird häufig ein vollwertiger Stopover eingeplant, bei dem die Pferde mehrere Stunden in einer Box verbringen können. Diese Ruhephasen geben den Pferden die Möglichkeit zu fressen, zu trinken und sich in einer ruhigen Umgebung hinzulegen. Stallvorhänge können dabei helfen, eine vertrautere und ruhigere Umgebung zu schaffen, die die Erholung während der Stopovers unterstützt. Dies fördert sowohl die körperliche Regeneration als auch das allgemeine Wohlbefinden, bevor die Reise am nächsten Tag fortgesetzt wird.
Leichte Bewegung und Durchblutung
Während der Stopovers wird leichte Bewegung empfohlen, um die Durchblutung nach längerer Zeit im LKW wieder anzuregen. Das Führen an der Hand unterstützt die Muskelaktivierung, hilft, Steifheit zu reduzieren, und ermöglicht einen effizienteren Abtransport von Stoffwechselabfallprodukten. Diese sanfte Reaktivierung senkt das Risiko von Unwohlsein bei der Wiederaufnahme des Transports oder bei der Ankunft am Tourort.
Routine während der Ruhephasen beibehalten
Routine bleibt während der Stopovers ein wichtiger stabilisierender Faktor. Fütterungszeiten, Handling und Pflege möglichst nah an der gewohnten Routine zu Hause zu halten, hilft, Ruhe zu bewahren und erleichtert den Übergang zurück in den Transport. Wenn ein längerer Stopover geplant ist, wird empfohlen, die letzte Fütterung etwa eine Stunde vor der Abfahrt zu geben, damit das Pferd den LKW nicht mit vollem Magen wieder betritt.
Tierärztliche Überlegungen
Abhängig von der Transportdauer und der Intensität der Tour kann es sinnvoll sein, für bestimmte Pferde im Vorfeld einen Tierarzt zu konsultieren. Dies ermöglicht eine individuelle Beratung und bietet zusätzliche Sicherheit vor dem nächsten Abschnitt der Reise.
WÄHREND DER TOUR SELBST
Sobald die Reise abgeschlossen ist und die Tour beginnt, treten neue Herausforderungen in den Vordergrund. Tägliche Routinen, Regenerationsstrategien und Materialentscheidungen prägen nun den Alltag auf Tour.




